Professor Betsy Thom (1943) und Doktor Eleanor Thom (1979)

 
Dora in 1980 with me and my cousin..jpg
 

Mein Hauptwohnsitz ist in Edinburgh, Schottland. Ich bin 40 Jahre alt und habe die deutsche Staatsbürgerschaft zusammen mit meiner 1943 geborenen Mutter und einer gleichaltrigen Cousine beantragt.  Ich habe zwei Kinder, 5 und 8 Jahre alt, die auch von der deutschen Staatsbürgerschaft profitieren würden, falls unser Auftrag erfolgreich wäre.

Unser Antrag ist jedoch abgelehnt worden. Meine Grossmutter ist 1916 in Berlin geboren.  Sie bekam 1938 einen Brief in dem sie angewiesen wurde, Deutschland zu verlassen. Sie ist Januar 1939 über  ein “domestic permit”* in Grossbritannien angekommen. Sie hat ihre ganze Verwandtschaft verloren, darunter auch ihre kleine Tochter, die ihr hätte folgen sollen, deren Flucht sie aber nicht rechtzeitig organisieren konnte. 

Ich bin Schriftstellerin (www.eleanorthom.com). Seit circa 7 Jahren arbeite ich an einer Dissertation und an einem Buch über das Leben meiner Grossmutter in Berlin und über ihr Exil. Die Promotion ist inzwischen abgeschlossen und das Buch wird gerade editiert. Ich habe zu Forschungszwecken längere Zeit in Deutschland verbracht, um Archive zu besuchen. Während meiner Recherchen im Jahr 2013 besuchte mein Sohn eine Berliner Kita. Meine kleine Familie hat sich in Berlin verliebt und wir wurden sehr herzlich aufgenommen.  Zu dieser Zeit haben wir zum ersten Mal darüber nachgedacht, die deutsche Staatsbürgerschaft zu beantragen, also lange vor dem Brexit!

Meine Mutter, Betsy Thom, ist Universitätsprofessorin für Soziologie. Die deutsche Zeitschrift “Stern” hat vor ein paar Jahren einen Artikel über unseren Staatsbürgerschaftsantrag veröffentlicht.

Wir sind nicht mehr praktizierende Juden, da es an dem Ort, an dem meine Grossmutter lebte, keine jüdische Gemeinde gab.  Sie hat den Rest ihres Lebens in einer Kleinstadt in NE Schottland verbracht. Wir lieben es aber, in jüdische Kulturveranstaltungen zu gehen, und seitdem wir in Edinburgh leben, gehen wir in die Synagoge, um mehr über unser jüdisches Erbe zu lernen.

Es gibt eine weitere Komplikation bei unserer Hoffnung darauf, dass ein neuer Antrag erfolgreich sein könnte; Meine Grossmutter, die in Berlin geboren und bei der Geburt Deutsche war, galt eventuell als staatenlos, nachdem ihre Mutter ihren aus der Bukovina stammenden Vater geheiratet hat. Ich weiss nicht, ob das heute noch von Bedeutung ist. Vielleicht ist das der Grund, dass sie ins Exil geschickt wurde, weil sie offiziell nicht als Deutsche galt.

Ich hoffe zutiefst, dass jegliche Änderung im Gesetz zu einer Änderung der Situation für mich, für meine Kinder und für meine Mutter führen würde. Ich bin davon überzeugt, dass das richtig wäre.